Custom GPT sichern: Die Checkliste vor der Abschaltung
Anweisungen, Wissensdateien und Custom Actions kommen nicht automatisch mit. Die Checkliste, mit der du jeden Custom GPT in 30 Minuten manuell sicherst.
Inhalt 6 Abschnitte
Custom GPTs werden am 11. Dezember 2026 abgeschaltet – so weit ist das inzwischen bekannt. Was seltener passiert: dass jemand tatsächlich sichert, was bei der Migration verloren geht. Der Grund ist meistens keine Faulheit, sondern eine falsche Reihenfolge – man wartet auf den Migrations-Button, statt selbst aktiv zu werden. Diese Checkliste dreht die Reihenfolge um. Sie zeigt dir genau, was du bei jedem deiner Custom GPTs manuell sichern solltest, bevor überhaupt ein Migrationsknopf in deinem Konto auftaucht – und liefert dir eine Vorlage, die du 1:1 für jeden GPT durchgehst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sichere pro GPT fünf Dinge: Anweisungstext, Konversationsstarter, Wissensdateien im Original, Custom-Action-Konfiguration und 3-5 Testfälle
- Das dauert pro GPT rund 15-30 Minuten – unabhängig davon, wann oder ob der Migrations-Button in deinem Konto erscheint
- Wissensdateien: Sichere die Originaldateien von deinem eigenen Rechner, nicht nur das, was du einmal in ChatGPT hochgeladen hast
- Ohne dokumentierte Testfälle kannst du später nicht beurteilen, ob ein Plugin oder ein selbst gebauter Ersatz gleichwertig arbeitet
- Für Custom Actions ist manuelles Sichern kein Nice-to-have, sondern Pflicht: Sie werden laut OpenAI nicht automatisch migriert (OpenAI)
Warum “Migrationsknopf abwarten” keine Strategie ist
Im Hauptartikel zur Abschaltung steht es schon: Der 22. September 2026 war nur ein Ziel für die Migrationsfunktion, keine Garantie. OpenAI weist selbst darauf hin, dass sich Daten und Details noch ändern können (OpenAI Help Center). Das ist für Privatkonten – Free, Go, Plus, Pro – besonders relevant, weil dort ohnehin nur ein Hinweis im Produkt erscheint, kein fixer Zeitplan mit vier Terminen wie bei Enterprise-Workspaces.
Wer jetzt wartet, verlässt sich auf ein Feature, das noch nicht final ist, für einen Prozess, der ohnehin nur einen Teil deiner Arbeit überträgt. Die praktikablere Reihenfolge: Sichern, was sich sichern lässt – heute, mit Copy & Paste – und danach erst über Migration oder Neubau nachdenken.
Das Sichern selbst ist kein Hexenwerk. Es sind fünf klar abgrenzbare Dinge pro GPT, die du in einer eigenen Datei ablegst. Der Rest dieses Artikels geht sie einzeln durch und endet mit einer Vorlage, die du direkt kopieren kannst.
Aus der Praxis: Bei den GPT-Inventuren, die ich mit Kund:innen mache, ist fast immer die Custom-Action-Doku die Lücke – nicht die Anweisungen. Die kopiert jeder brav, weil sie sichtbar im Editor stehen. Das API-Schema dagegen liegt oft nur im Kopf der Person, die es einmal aufgesetzt hat. Genau das ist Punkt 4 unten.
Die fünf Dinge, die du pro GPT sicherst
1. Anweisungstext (Instructions) komplett kopieren
Das ist der wichtigste und am schnellsten erledigte Punkt. Öffne deinen GPT im Editor unter „Konfigurieren” – erreichbar über „Meine GPTs” (OpenAI). Kopiere das komplette Feld „Anweisungen” in ein Textdokument, Wort für Wort. Nimm alle Formatierungen, Beispiele und Sonderfälle mit, die du im Lauf der Zeit ergänzt hast.
Warum das zählt, obwohl Instructions laut OpenAI grundsätzlich als „Skill” mit in ein Plugin übernommen werden: Migriert wird nur die zuletzt veröffentlichte Version deines GPTs (OpenAI). Hast du seit der letzten Veröffentlichung noch an den Anweisungen gefeilt, ist genau diese Zwischenversion weg, sobald migriert wird. Eine eigene Kopie macht dich davon unabhängig – und dient gleichzeitig als Referenz, falls du den GPT irgendwann komplett neu aufbaust, etwa als eigener Workflow.
Praktisch: Leg pro GPT eine eigene Markdown- oder Textdatei an (z. B. gpt-name-backup.md) und füge den Anweisungstext als ersten Abschnitt ein.
2. Konversationsstarter sichern
Konversationsstarter sind die vier vorgeschlagenen Prompts, die Nutzer:innen beim Öffnen deines GPTs als Klick-Vorschläge sehen. Sie wirken nebensächlich, sind aber oft das Ergebnis von Testen und Anpassen – sie zeigen, für welche Aufgaben der GPT tatsächlich gedacht ist. Kopiere sie unter demselben Konfigurations-Tab in dieselbe Backup-Datei.
Das ist auch deshalb sinnvoll, weil Konversationsstarter in der OpenAI-Übersicht zu den Bestandteilen gehören, die nicht explizit als „kommt mit” gelistet sind – anders als Anweisungen, Wissensdateien und verbundene Apps. Sicher ist sicher.
3. Wissensdateien im Original sichern
Hier passiert der häufigste Fehler: Leute denken, ihre Wissensdateien seien „im GPT” und damit sicher. Tatsächlich hast du in ChatGPT nur eine Kopie hochgeladen. Eine Wissensdatei ist jedes Dokument, das du unter „Wissen” hochgeladen hast, damit der GPT daraus zitiert – PDF, Word-Datei, CSV, was auch immer. Das Original liegt (hoffentlich noch) auf deinem Rechner, in Google Drive oder wo auch immer die Datei ursprünglich herkam.
Geh das systematisch durch:
- Liste alle unter „Wissen” hochgeladenen Dateien auf
- Prüfe für jede: Habe ich das Original noch lokal oder in der Cloud?
- Falls nicht: Lade die Datei in ChatGPT herunter, sofern das Interface das zulässt, oder rekonstruiere sie aus der ursprünglichen Quelle (CRM-Export, Notion-Seite, Google Doc)
- Leg alle Originale in einen eigenen Ordner, benannt nach dem GPT
Wissensdateien werden laut OpenAI zu Referenzdateien im Plugin (OpenAI) – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wenn die Migration technisch klemmt oder du den GPT lieber komplett neu aufsetzt, brauchst du die Originaldateien, nicht nur das, was gerade in ChatGPT liegt.
4. Custom-Action-Konfiguration dokumentieren
Eine Custom Action ist die Anbindung deines GPTs an eine externe API – dein CRM, deine Buchungssoftware, ein internes Tool. Das ist der aufwendigste, aber wichtigste Punkt dieser Checkliste, sofern dein GPT überhaupt Actions nutzt. Custom Actions werden nicht migriert (OpenAI); alles, was du hier nicht dokumentierst, musst du beim Neubau aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
Sichere für jede Action:
- Das komplette OpenAPI-Schema (Copy & Paste aus dem Aktions-Editor, nicht nur eine Beschreibung davon)
- Alle Endpunkte, die die Action anspricht, inklusive HTTP-Methode (GET, POST, …)
- Die Authentifizierungsart (API-Key, OAuth, keine) und – falls OAuth – die Redirect-URLs und Scopes
- Beispiel-Requests und -Responses, die du beim Testen beobachtet hast
Diese Dokumentation ist gleichzeitig dein Lastenheft für den Ersatz. Wenn du die Action später als n8n-Workflow hinter einem eigenen MCP-Server nachbaust, ist das Schema die Grundlage für die Tool-Definition, die du dem Agenten mitgibst.
5. Testfälle festhalten: 3-5 Prompts samt erwarteter Antwort
Der Schritt, den fast alle überspringen – und der später am meisten fehlt. Notier dir pro GPT drei bis fünf typische Prompts, die reale Nutzer:innen (oder du selbst) regelmäßig stellen, und schreib dazu, welche Antwort du jeweils erwartest: Inhalt, Format, Tonfall, Länge.
Ohne diese Referenz hast du später keinen Maßstab. OpenAI weist ausdrücklich darauf hin, dass migrierte Plugins anders antworten können als das Original (OpenAI) – ohne dokumentierte Testfälle bemerkst du eine Verschlechterung erst, wenn ein:e Kund:in sich beschwert.
Beispiel für einen guten Testfall:
Prompt: „Erstell mir ein Angebot für Kunde X basierend auf Paket Y.” Erwartete Antwort: Nennt Leistungsumfang aus der Wissensdatei „Pakete.pdf” korrekt, verwendet die Preisformel aus den Anweisungen, Format: strukturierte Liste mit Gesamtsumme am Ende.
Wähle Prompts, die unterschiedliche Fähigkeiten abdecken: einen Standardfall, einen Grenzfall (fehlende Angabe, ungewöhnliche Anfrage) und – falls vorhanden – einen, der eine Custom Action auslöst.
Die Checkliste zum Kopieren
Kopier dir diesen Block für jeden GPT, den du behalten willst, und häng ihn oben an deine Backup-Datei. Geht ein Punkt einen GPT nichts an (z. B. keine Custom Actions), hak ihn einfach als erledigt ab.
## Sicherungs-Checkliste: [Name des GPTs]
- [ ] Anweisungstext komplett kopiert (aktuellste veröffentlichte Version)
- [ ] Konversationsstarter kopiert (alle vier)
- [ ] Wissensdateien im Original gesichert (nicht nur der ChatGPT-Upload)
- [ ] Custom-Action-Schema dokumentiert (OpenAPI-Schema, Endpunkte, Auth-Art)
- [ ] 3-5 Testfälle mit erwarteter Antwort festgehalten
- [ ] Datum der Sicherung: ____________
- [ ] Zuletzt veröffentlicht am: ____________
- [ ] Ersatzweg entschieden: [ ] Migration abwarten [ ] Fertige App [ ] Eigener MCP-Server [ ] GPT wird nicht mehr gebraucht
Für eine schnelle Übersicht über mehrere GPTs hinweg eignet sich stattdessen eine Tabelle:
| GPT-Name | Anweisungen ✅ | Starter ✅ | Wissensdateien ✅ | Action-Schema ✅ | Testfälle ✅ | Ersatzweg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| (Beispiel) Angebots-Assistent | ☑ | ☑ | ☑ | ☑ | ☑ | eigener MCP-Server |
| (Beispiel) FAQ-Bot | ☑ | ☑ | ☑ | – | ☑ | Migration abwarten |
Trag hier nur die GPTs ein, die aus deiner Inventur wirklich übrig geblieben sind – erfahrungsgemäß sind das deutlich weniger, als „Meine GPTs” auf den ersten Blick zeigt.
Was du dir sparen kannst
Nicht alles verdient dieselbe Sorgfalt. Aus dem Hauptartikel weißt du bereits: Modellwahl, Chatverläufe und Freigabe-Einstellungen werden ohnehin nicht übertragen und lassen sich auch nicht sinnvoll manuell „retten”. Die Modellwahl fällt im Plugin auf den Standard zurück, Chatverläufe bleiben technisch beim alten GPT, und Freigaben musst du nach der Migration ohnehin neu einrichten. Zeit, die du in die Dokumentation von Chatverläufen steckst, ist Zeit, die bei Testfällen fehlt. Konzentrier dich auf die fünf Punkte oben – der Rest ist entweder nicht rettbar oder nicht wichtig genug, um dich aufzuhalten.
Wenn Custom Actions ersetzt werden müssen
Die dokumentierte Action-Konfiguration aus Punkt 4 ist mehr als eine Absicherung – sie ist der Bauplan für den Neubau. OpenAI nennt zwei Wege für den Ersatz: eine fertige App, die deine Aufgabe bereits abdeckt, oder einen eigenen Aufbau, etwa über einen MCP-Server (OpenAI).
Für den zweiten Weg brauchst du kein eigenes Backend zu programmieren. Mit n8n kannst du bestehende Workflows als MCP-Tools bereitstellen – die Logik hinter deiner Custom Action baust du einmal in n8n, und ein KI-System kann sie danach wie ein Werkzeug aufrufen. Das dokumentierte Schema aus Punkt 4 ist dabei dein Ausgangspunkt: Endpunkte werden zu Workflow-Schritten, die Authentifizierung wird zum n8n-Credential.
Der Vorteil gegenüber „auf das Plugin warten”: Ein MCP-Server läuft unabhängig davon, was OpenAI als Nächstes umbaut. Solltest du eine Wissensdatenbank durchsuchbar machen wollen statt nur einzelne Dateien hochzuladen, ist ein eigener RAG-Assistent auf Basis deiner Dokumente der konsequente nächste Schritt.
Häufige Fragen zum Sichern von Custom GPTs
Muss ich das für jeden meiner GPTs machen? Nein. Sicher nur die GPTs, die du aus deiner Inventur als wirklich relevant behältst. Für den Rest lohnt sich der Aufwand nicht – die lässt du einfach mit der Abschaltung am 11. Dezember 2026 auslaufen.
Reicht ein Screenshot der Anweisungen? Nein. Ein Screenshot lässt sich nicht durchsuchen, nicht in einen neuen GPT oder Workflow einfügen und schneidet bei langen Anweisungen oft Text ab. Kopier den Text immer als Klartext.
Wo lege ich die Backup-Dateien am besten ab? Dort, wo du ohnehin arbeitest – ein Ordner in der Cloud (Google Drive, Notion) oder ein lokales Verzeichnis reichen. Wichtig ist nur: ein Ordner pro GPT, damit Anweisungen, Dateien, Action-Schema und Testfälle zusammenbleiben.
Was, wenn ich eine Custom Action nicht mehr genau erklären kann? Ruf die Aktion in ChatGPT testweise auf und beobachte Request und Response im Aktions-Editor – dort siehst du oft mehr Details als in der reinen Konfiguration. Wenn du die API selbst gebaut hast (z. B. über ein eigenes System), sieh in der API-Dokumentation nach, statt aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Lohnt sich das Sichern, wenn ich die Migration sowieso abwarten will? Ja. Die Sicherung kostet 15-30 Minuten und macht dich unabhängig davon, ob und wann der Migrationsknopf erscheint. Falls die Migration reibungslos läuft, hast du die Backup-Datei einfach als Referenz – verschwendet ist die Zeit nie.
Fazit: 30 Minuten pro GPT, dann bist du unabhängig
Die Checkliste oben ist kein Ersatz für die Migration – sie ist deine Versicherung, falls diese nicht rechtzeitig oder nicht sauber funktioniert. Anweisungen, Konversationsstarter, Wissensdateien, Action-Konfiguration und Testfälle: fünf Punkte, eine Datei pro GPT, fertig.
Wenn du das für deine wichtigsten GPTs durchgezogen hast, lohnt sich der Blick auf den Hauptartikel zur Custom-GPT-Abschaltung für den kompletten Zeitplan bis Dezember – und die Frage, welche deiner Actions du gleich robuster als eigenen MCP-Server statt als Plattform-Feature neu aufbaust.
Quellen
- OpenAI Help Center: Custom GPT retirement and migration FAQ – abgerufen 2026-09-23
- OpenAI Help Center: GPTs in ChatGPT – abgerufen 2026-09-23
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